Die Poesie Persiens

Scheich-Lotfollah-Moschee in Isfahan

Der Iran ist unendlich viel mehr als Frauen im Tschador und fäustereckende Mullahs. Die in den Medien gerade in jüngster Zeit leider oft recht eindimensional dargestellte Nation präsentiert sich zu Beginn des dritten Jahrtausends in Wahrheit als überaus facetten- und kontrastreiches, spannendes Land, das auf ein ungemein traditionsreiches und vielfältiges Erbe zurückblickt. „Die Poesie Persiens“ weiterlesen

Die großen Flüsse Asiens

Frau mit Boot auf dem Mekong
Mekong

Gerade hat hier jemand die Kulissen ausgewechselt. Hat all die engen Straßen verschwinden lassen, all die um die Wette hupenden Millionen Motorroller, all die Frachter im Hafen, die schwer beladen durchs braune Wasser pflügen. Die wuselige Geschäftigkeit der aufstrebenden, aus Ruinen wieder auferstandenen Metropole Saigon, die von den treuen Parteisoldaten Vietnams immer noch brav Ho-Chi-Minh-Stadt genannt wird, ist plötzlich verschwunden.

Stattdessen empfängt einen eine Landschaft, die so aussieht wie die Illusion eines Kitschmalers. Fischer, die sicher auf dem Einbaum balancierend ihr Netz auswerfen. Hütten aus Palmwedeln, daneben Bananenstauden und Reis in so frischem, vor Leben strotzendem Grün, als habe es irgendwo am Weltcomputer ein Grafiker etwas zu gut gemeint mit der Sättigung. Doch das alles ist keine Illusion, sondern Teil eines tatsächlich existierenden Panoramafilms, einer einmaligen Show mit Überlänge. Wach sein muss man deshalb und aufmerksam, seine Sinne neu schärfen. Das dominante Gebrause und Geklingel der Zivilisation hinter sich lassen und sich konzentrieren auf das Wichtige, das so nahe liegt. Der Fluss. Der Mekong, eine der großen Lebensadern der Erde.

Weiter im Norden nennen sie Südostasiens gewaltigsten Strom „Mutter aller Wasser“, voller Respekt, weil er mit seinen Fluten alles Leben bestimmt. „Song Cuu Long“ sagen dagegen die Vietnamesen, reden vom „Fluss der neun Drachen“, der fast 5.000 Kilometer entfernt von der Quelle in den Gletschern des Himalaja nach dem Passieren von Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha am Ende ins Südchinesische Meer mündet. Hier wartet ein Delta groß wie die Niederlande auf Entdecker, ein faszinierendes Gewirr von Kanälen und Inselchen, Sandbänken und schwimmenden Dörfern, Mangrovenwäldern und Shrimp-Farmen.

Mitten durchs Maul dieses Wasser speienden Riesen, zwischen den Booten mit den aufgemalten roten Augen, die böse Geister abwehren sollen, fährt ein exklusives Schiff im britisch-indischen Kolonialstil. „The Jahan“ ist ein mobiles Zuhause auf Zeit, ein mit Luxus gewebter Kokon, um stilvoll die Landschaft Südostasiens an sich vorbeiziehen zu lassen und nebenbei die Feinheiten der kambodschanischen und vietnamesischen Küche zu entdecken. Dabei reist man auf den Spuren einer historischen Expedition: Kein Europäer kannte im 19. Jahrhundert den ganzen Lauf des Mekong, geschweige denn seine Quelle. Vor knapp 150 Jahren brachen französische Wissenschaftler um Doudart de Lagrée auf, um den Strom zu vermessen und eine Handelsroute nach China zu erkunden.

Südostasien wandelt sich: Länder, die lange im Dornröschenschlaf hinter dem Bambusvorhang schlummerten, suchen jetzt in aller Schnelle Anschluss an die Moderne. Manches hat sich aber nicht verändert. Wer die im Dschungel von Angkor überwucherte Tempel erkundet, sich von Mönchen den Buddhismus erklären lässt oder die kunstvollen Bewegungen der Apsara-Tänzerinnen kennenlernt, darf sich also auch im 21. Jahrhundert noch als Entdecker fühlen.

Jangtse

Auch wenn einem Leib und Leben lieb und teuer sind: Eine Reise in die Unterwelt darf man wagen. Allerdings nur in einer paradiesisch schönen Umgebung. Und nur mit einem erfahrenen Fährmann, der einen sicher hinbringt und auch sicher wieder zurück – auf dass man am Ende nicht versehentlich bei den Toten ankommt und ihnen auf ewig Gesellschaft leistet. Die Geisterstadt Fengdu, wo angeblich der König der Unterwelt residiert liegt am Jangtsekiang, dem mit 6.000 Kilometern längsten Fluss Asiens. Mit dem Drei-Schluchten-Damm hat China den Strom gezähmt, doch eine Kreuzfahrt durch den 200 Kilometer langen Abschnitt ist immer noch ein Highlight jeder Rundreise. Bis zu 1.200 Meter hoch ragen die Berge auf, die engsten Passagen sind nur 150 Meter breit – eine Fjordlandschaft mitten im Reich der Mitte.

Irrawaddy

Zwischen der alten Königsstadt Mandalay und dem Tempelberg von Sagaing, wo in Hunderten von Klöstern Tausende von Mönchen meditieren, macht sich der mäandernde Irrawaddy breit. China wollte die Lebensader Myanmars am Oberlauf mit einem Staudamm kontrollieren, um Strom zu erzeugen. Doch angesichts des Wandels im „Land des Erwachens“, das sich in Richtung Demokratie vortastet, war das Projekt nicht mehr zu halten. So wird der mächtigste Strom Myanmars weiter frei fließen können. Drei Schiffe für Touristen sind zwischen Mandalay und der Ruinenstadt Bagan zu Hause: die „Road to Mandalay“, fast schon eine Legende, und die nach den hier tanzenden Delfinen benannte „Orcaella“, ein schickes kleines Boutique-Schiff, beide von Belmond. Und ganz neu die „Sanctuary Ananda“ mit nur 20 Suiten.

Autor: Helge Bendl

Bild: Bartosz-Hadyniak © iStock.com