Maboneng

Viele Jahre lang gab es für Touristen nur einen Grund, nach Johannesburg zu fliegen: ein kurzer Blick auf Pretoria und dann die schnelle Weiterreise Richtung Krüger-Park oder andere Safari-Ziele. Zu langweilig. Zu gefährlich. Zeitverschwendung. Seit vor neun Jahren der Investor Jonathan Liebman in Jeppestown investiert hat, hat sich viel getan. Jedenfalls im neuen, hippen Viertel Maboneng.


Manche fühlen sich an Berlin-Kreuzberg oder das Hamburger Schanzenviertel erinnert, andere an die coolen Bezirke von New York oder London – Maboneng ist international, jung, kreativ und liegt wie eine Insel in der Johannesburger Innenstand, die noch immer von Armut geprägt ist.


Junge Männer und Frauen aller Hautfarben schlendern durch die Straßen, trinken einen Smoothie, shoppen, besuchen Galerien. Der berühmte südafrikanische Künslter William Kentridge hat hier im Ferbuar 2017 sein „The Centre for the Less Good Idea“ gegründet. Hier kommen Künstler zusammen, um zu experimentieren: Text, Performance, bildende Kunst, Tanz. Der Gedanke ist so genial wie einfach – Kunst lebt von den vielen Ideen, die schließlich verworfen werden und ohne die der künstlerische Prozess nie denkbar wäre. Die Eröffnung dieses Centers war in jedem Fall eine gute Idee!

Es ist Sonntagmorgen, die Händler bauen ihren Straßenmarkt noch auf, im Food Market sind die Öfen und Pfannen schon geheizt. In der alten Lagerhalle gibt es ausgezeichnete, abwechslungsreiche Küche, Thai-Gerichte, Burritos, Kuchen, Craft Beer. Der Gang zwischen den Ständen gleicht einer kulinarischen Reise um die Welt, und am hinteren Ausgang spielt eine Jazzkapelle unter der Graffiti-bemalten Hochbahn. Auch viele Touristen kommen auf einen Snack in den Food-Market oder auf einen Sundowner in der Rooftop-Bar „The Living Room“ in der Kruger Street, einer Mischung aus Dschungel und Hipster-Treff mit Aussicht. Das arme, schwarze Afrika ist weit weg. Und so wird natürlich diskutiert – wie in Europa – über hohe Mieten und Gentrifizierung. Denn dieser kosmopolitische Frieden ist teuer erkauft: Ohne Wachschutz würde es Maboneng nicht geben.


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